P236: Ressourcenverteidigung im Dummytraining: Was wirklich dahintersteckt – mit Vroni Fuchs

Juli 2, 2026


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Ressourcenverteidigung klingt schnell nach einem großen Problem, nach Dominanz, nach Konflikt, nach das muss sofort weg. Manchmal ist es ein Thema, aber ganz oft ist es nicht das, was viele dahinter vermuten.

In dieser Podcastepisode spreche ich mit Vroni Fuchs genau darüber, also woran du echte Ressourcenverteidigung erkennst, was häufig wirklich dahinter steckt und warum du im Training oft ganz woanders ansetzen solltest, als man im ersten Moment denken würde.

Woran du Ressourcenverteidigung wirklich erkennst

Ein typisches Bild ist der Blick. Der Hund schaut erst auf die Ressource und dann auf das Gegenüber, also auf dich oder auf einen anderen Hund, und damit teilt er ganz klar mit, dass das hier seins ist und er Anspruch darauf hat. Dazu kommt die Körpersprache, denn der Hund wird fest, die Muskulatur spannt sich an, der Blick wird gerichtet. Oft sieht man auch, dass er sich über die Ressource stellt, sie mit Kopf, Brust oder Pfoten abschirmt oder sie wegsichert.

Eine Ressource kann dabei vieles sein, also nicht nur ein Dummy oder Futter, sondern auch ein Liegeplatz, ein Stock, ein Grashalm oder sogar du selbst als Mensch. Deshalb lohnt es sich, im ersten Schritt überhaupt zu prüfen, was der Hund da gerade beansprucht und ob es wirklich um die Ressource geht oder um etwas anderes.

Warum Unsicherheit oft die eigentliche Ursache ist

Ein Punkt, den viele nicht auf dem Schirm haben: Unsichere Hunde zeigen häufiger Ressourcenverhalten als sichere, nicht weil sie stärker sind, sondern weil sie sich absichern müssen. Sie kontrollieren mehr, sie halten Dinge fest und sie wollen nichts verlieren.

Nach außen kann das sehr selbstbewusst wirken, ist es aber nicht. Das kenne ich auch aus eigener Erfahrung, denn ein unsicherer Hund kann sehr präsent sein, laut und fordernd, während ein wirklich sicherer Hund oft ruhig und unauffällig wirkt. Und genau das wird ganz oft falsch eingeordnet, weil man Lautstärke mit Stärke verwechselt.

Dummy wird nicht abgegeben, ist das Ressourcenverteidigung?

Die kurze Antwort lautet meistens nein.

Wenn dein Hund das Dummy aufnimmt, sich dann hinlegt, darauf herumkaut oder dich angrinst, steckt in den allermeisten Fällen kein Ressourcenproblem dahinter, sondern ein Konflikt rund um die Abgabe, eine Verlustangst oder einfach Beutesicherung. Oft hat der Hund gelernt, dass ihm die Beute schnell wieder weggenommen wird und keine gleichwertige Belohnung erfolgt. Und genau dadurch wird aus einer normalen Abgabe ein kleines Drama.

Der größte Fehler beim Aufbau der Abgabe

Viele starten zu früh mit Kontrolle, weil schon beim Junghund die Erwartung im Raum steht, dass sauber in die Hand abgegeben wird, am besten sofort und perfekt. Dadurch entsteht Druck, und genau dieser Druck wird zum Problem, weil der Hund noch gar nicht gelernt hat, gerne abzugeben.

Was am Anfang oft fehlt, ist die Basis. Dein Hund muss erst einmal wollen, dass du das Dummy nimmst, und dafür musst du ihn feiern, mitgehen, rückwärtslaufen und das Ding gerade nicht sofort wegnehmen. Ziel ist, dass dein Hund dir das Dummy aktiv hinschiebt und sagt: Nimm es endlich.

Wenn das sitzt, kannst du alles weitere aufbauen, also Vorsitz, Halten, Warten, Gehorsam, alles. Aber wenn diese Kooperation fehlt, hilft auch keine Regel, die du oben drauflegst.

Was in der Wartezone und der Line oft passiert

Ein Bereich, der extrem unterschätzt wird. Viele Hunde sitzen dicht beieinander, alle sind angespannt, alle warten auf ihren Einsatz. Da kann es schnell zu Stress kommen.

Genau das gleiche kann auch in der Line passieren. Also wenn mehrere Hundehalter nebeneinander stehen und jeder Hund nacheinander ein Dummy holt. Wenn dort Unsicherheit ist, Druck herrscht oder zu wenig Abstand vorhanden ist, kann das schnell kippen, und manchmal liegt es gar nicht am Hund, der bringt, sondern an den Hunden, die warten und Druck machen. Was hier hilft, ist mehr Raum für den bringenden Hund, weniger Druck in der Line und ein Blick auf die wartenden Hunde, nicht nur auf den, der gerade arbeitet. Und ganz wichtig:

Was du in akuten Situationen tun kannst

Wenn du merkst, dass es kippt, geht es erstmal um Management, also nicht diskutieren, nicht testen, nicht hoffen, dass es schon irgendwie gut geht. Sorge für Abstand, nimm deinen Hund raus oder positioniere dich bewusst zwischen ihm und dem, was schwierig ist.

Ob du deinem Hund entgegen gehst oder lieber nach hinten ausweichst, hängt vom Hund ab. Manche Hunde brauchen, dass du ihnen entgegen kommst, weil sie sonst kippen, und andere fühlen sich dadurch noch mehr in ihrer Verteidigung bestärkt. Das musst du für deinen Hund wissen, und das lernst du nur, indem du ihn wirklich kennst.

Und es ist Teamarbeit. Wenn du siehst, dass ein anderer Hund gerade ein Thema hat, kannst du auch von außen helfen, indem du deinen Hund kurz ablenkst, dich davor stellst oder den Fokus rausnimmst. Auch wenn dein eigener Hund vermeintlich nichts macht, heißt das nicht, dass er nicht Teil der Situation ist.

Echte Ressourcenverteidigung bleibt

Wenn dein Hund wirklich eine Ressourcenthematik hat, dann ist das aus Vronis Erfahrung kein Thema, das einfach verschwindet. Du kannst daran arbeiten, du kannst sie kleiner machen, du kannst deinem Hund Sicherheit und Vertrauen geben, aber das Risiko bleibt im Hintergrund, und du musst lernen, die Situationen im Vorfeld einzuschätzen und gegebenenfalls zu managen.

Und nein, es gibt auch nicht den Moment, in dem der Knoten platzt. Das ist Prinzip Hoffnung und in den meisten Fällen ein Trugschluss, weil du dann nicht mehr aufmerksam bist und genau dann poppt es wieder hoch.

Die drei wichtigsten Punkte aus dieser Folge

Arbeite an der Selbstsicherheit deines Hundes, denn das wirkt oft stärker als jedes direkte Training am Symptom, und wenn der Hund insgesamt sicherer wird, wird auch die Ressourcenthematik kleiner.

Bau die Abgabe über Kooperation und Freude auf, nicht über Druck, weil ein Hund, der gerne abgibt, das ganze Konfliktthema gar nicht erst aufbaut.

Und unterscheide sauber, ob es wirklich Ressourcenverteidigung ist oder etwas anderes, weil du nur dann sinnvoll trainieren kannst.

Nicht alles ist Beziehung

Ein Gedanke zum Schluss, der uns beiden, Vroni und mir wichtig ist. Ressourcenverteidigung ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass zwischen euch beiden etwas nicht stimmt, genauso wenig wie Jagdverhalten. Wenn dir jemand sagt, du musst einfach an der Bindung arbeiten, dann ist das oft eine bequeme Antwort, weil sie immer passt und nie widerlegt werden kann.

Manche Verhaltensweisen bringt dein Hund schlicht mit, durch Genetik, durch Epigenetik oder durch frühe Erfahrungen, und das hat erstmal nichts mit dir zu tun. Deine Aufgabe ist, das sauber einzuordnen und damit sinnvoll umzugehen, statt es persönlich zu nehmen. Genau da fängt gutes Training an.

Links, die in dieser Episode erwähnt wurden:


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Susanne

Gründerin der Hundeschule Jagdfieber

Seit über 10 Jahren bringe ich in der Hundeschule Jagdfieber Mensch-Hund-Teams das Dummytraining bei. 


Ich habe mich voll und ganz auf das Dummytraining spezialisiert und unterrichte es hauptsächlich online in meinen Kursen und dem Mitgliederbereich "Team Jagdfieber".


In meiner kostenlosen Trainingsgruppe Jagdfieber schicke ich dir jeden Freitag eine Mail mit Infos zum Podcast oder mit einer extra Trainingsaufgabe für dich zu Hause.


Es ist so ein toller Sport und möchte dich dabei begleiten, ihn zu verstehen und zu genießen.

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