P010: Trainingsfeld Frustrationstoleranz

Oktober 5, 2019


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Dein Hund fiept in der Linie. Er springt bei Markierungen ein. Er knautscht das Dummy beim Zurückkommen. Du trainierst, übst, wiederholst, und trotzdem bleibt das Problem. Was viele in diesem Moment nicht wissen: Alle drei Baustellen haben dieselbe Wurzel. Sie zeigen, dass dein Hund noch nicht gelernt hat, mit Erregung umzugehen. Genau darum geht es im vierten Trainingsfeld meines Konzepts: der Frustrationstoleranz.

Diese Episode gehört zur Reihe der vier Trainingsfelder. Wenn du P006 bis P009 noch nicht gehört hast, fang dort an, denn die Felder bauen aufeinander auf.

Fiepen, Einspringen, Knautschen: Was diese Symptome gemeinsam haben

Auf den ersten Blick sehen diese drei Probleme unterschiedlich aus. Beim Fiepen wartet dein Hund und hält es nicht aus. Beim Einspringen handelt er, bevor er darf. Beim Knautschen entlädt sich Anspannung beim Zurückkommen. Aber dahinter steckt jedes Mal dasselbe: Dein Hund möchte etwas, darf es aber nicht haben, und er hat noch keine Möglichkeit gelernt, damit umzugehen.

Frust ist nichts Ungewöhnliches. Er entsteht immer dann, wenn ein Wunsch und eine Grenze aufeinandertreffen. Die Frage ist nicht, ob dein Hund Frust erlebt, sondern wie er damit umgeht.

Warum der klassische Ansatz das Problem verschlimmert

Der häufigste Fehler ist, den Hund in diesem Moment ruhigzustellen. Sitzen, Platz, Stillhalten. Das fühlt sich nach Kontrolle an, löst aber nichts. Stress baut sich beim Hund nicht durch Stillhalten ab, sondern durch Bewegung. Wer den Hund in einer statischen Position hält, packt einen Deckel auf den kochenden Topf. Der Druck staut sich auf und sucht sich ein Ventil: Fiepen, Hibbeln, Startlaut.

Das Ziel ist nicht, den Deckel fester zu halten. Das Ziel ist, die Flamme herunterzudrehen.

Was Frustrationstoleranz wirklich bedeutet

Ein Hund mit guter Frustrationstoleranz dreht sich von einer Markierung weg und denkt: Na ja, dann eben nicht. Er fiept nicht, er springt nicht ein, er dreht sich einfach mit dir weg und macht weiter. Nicht weil er abgestumpft ist, sondern weil er gelernt hat, dass Abwarten sich lohnt und dass es gleich weitergeht.

Dieser Hund steht nicht unter Vollstress, während er wartet. Er kann denken. Und nur ein Hund, der denken kann, lernt auch wirklich etwas aus einer Aufgabe.

Das Fundament: Fußarbeit und Grundstellung

Bevor du an Fiepen oder Einspringen arbeitest, schau dir an, wie dein Hund auf dem Weg zur Aufgabe ist. Fußarbeit und Grundstellung sind keine Formübungen. Sie sind der Moment, in dem du erkennst, ob dein Hund entspannt in die Aufgabe geht oder schon vorher unter Druck steht.

Dein Hund soll auf kleinste Signale reagieren, ohne zu diskutieren, ohne zu zucken, ohne schon einen Schritt voraus zu sein. Wenn das sitzt, habt ihr die Hälfte der Arbeit schon getan. Wenn es nicht sitzt, trainiert zuerst dort. Alles andere baut darauf auf.

Vom Symptom zur Lösung: So trainierst du die Frustrationstoleranz

Für jede der drei häufigen Baustellen gibt es einen konkreten Trainingsansatz. Das Prinzip ist immer gleich: Dein Hund soll nicht lernen, dass du schneller bist oder dass Einspringen bestraft wird. Er soll lernen, dass ruhiges Abwarten sich lohnt.

Beim Einspringen bei Markierungen stellst du dich mit deinem Hund in der Grundstellung auf, Blick ins Suchgebiet. Eine Markierung fällt seitlich, sodass du zwischen Hund und Markierung stehst. Dein Hund darf arbeiten, aber nicht dorthin, wo er hin möchte, sondern in eine andere Aufgabe. Er lernt: Nicht einspringen bedeutet, ich darf trotzdem etwas tun.

Beim Fiepen beim Wegdrehen liegt ein Dummy sichtbar. Du drehst dich mit deinem Hund weg und schickst ihn in die Suche. Am Anfang hilft ein Leckerchen direkt vor der Nase. Dein Hund weiß noch nicht, dass auf das Wegdrehen etwas Gutes folgt. Gib ihm diese Information aktiv, bevor du verlangst, dass er es alleine aushält.

Beim Knautschen lohnt es sich, die Abgaberoutine zu überdenken. Das Erste, was ein Hund lernen sollte, ist: Wenn du etwas gefunden hast, komm zurück. Wenn das sitzt, ist viel gewonnen. Eine bestimmte Abgabeposition ist auf Working Tests und Dummyprüfungen meist nicht vorgeschrieben. Verlange keine Form, die deinem Hund Stress macht. Schau auf deinen Hund und entscheide danach.

Fokus lösen und sinnvoll warten lernen

Dein Hund soll Fokus aufbauen können, aber auch leicht umlenkbar bleiben. Nicht starr, sondern klar. Er soll lernen, dass eine Markierung, von der er weggeführt wird, kein Drama ist. Es geht gleich weiter, anders, aber weiter.

Sinnvolles Warten bedeutet nicht, den Hund zu Prüfungen mitzunehmen, damit er sich daran gewöhnt. Hunde wissen sehr genau, wann sie dran sind und wann nicht. Hilfreicher ist es, Trainingssituationen so aufzubauen, dass die Erregungslage von vornherein gering bleibt, der Hund aber trotzdem glaubt, in einer echten Arbeitssituation zu sein.

Frustrationstoleranz trainierst du nicht nur auf dem Platz

Hunde, die im Training mit Frust kämpfen, zeigen das fast immer auch zu Hause. Der Vorteil: Zu Hause ist die Erregungslage geringer, die Wiederholrate höher und die Trainingsmöglichkeiten sind vielfältiger. Bau die Frustrationstoleranz deshalb bewusst in den Alltag ein.

Fazit

Fiepen, Einspringen und Knautschen sind keine Charakterfehler. Sie zeigen, dass dein Hund noch nicht gelernt hat, mit Erregung umzugehen. Der Weg dorthin führt nicht über mehr Druck oder mehr Stillhalten, sondern über einen schrittweisen Aufbau: zuerst Fußarbeit und Grundstellung, dann eine passende Abgaberoutine, das gezielte Lösen von Fokus und sinnvoll aufgebautes Warten. Wer dieses Feld ernst nimmt und auch im Alltag trainiert, legt die Grundlage für einen Hund, der entspannt und zuverlässig arbeitet.

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Susanne

Gründerin der Hundeschule Jagdfieber

Seit über 10 Jahren bringe ich in der Hundeschule Jagdfieber Mensch-Hund-Teams das Dummytraining bei. 


Ich habe mich voll und ganz auf das Dummytraining spezialisiert und unterrichte es hauptsächlich online in meinen Kursen und dem Mitgliederbereich "Team Jagdfieber".


In meiner kostenlosen Trainingsgruppe Jagdfieber schicke ich dir jeden Freitag eine Mail mit Infos zum Podcast oder mit einer extra Trainingsaufgabe für dich zu Hause.


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