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Weitere Informationen 'In dieser Podcastepisode geht es um Stress. Wo er herkommt, wie er auf deinen Hund wirkt und warum er dein Training oft stärker beeinflusst, als du denkst.
Stress ist nicht nur schlecht
Stress gehört dazu, denn ohne Stress würde dein Hund den ganzen Tag in der Ecke liegen, und das willst du nicht. Du willst aber auch nicht das Gegenteil, also den Hund, der wie ein aufgezogenes Kaninchen durch die Gegend rennt. Es geht um den Mittelweg, und um den zu finden, musst du erst mal wissen, was alles Stress ist.
Stress kommt nicht nur aus dem Training
Deine eigene Stimmung gehört dazu. Du hattest eine harte Woche und gehst mit dem Hund raus, weil das den Kopf frei machen soll, und manchmal funktioniert das auch. Manchmal eben nicht. Wenn du dünnhäutig bist, bist du schneller genervt, regst dich über Dinge auf, die dich sonst nicht stören, und dein Fokus ist woanders. Dein Hund merkt das sofort, denn er kennt dich anders.
In so einer Phase ist ein längerer Spaziergang die bessere Wahl als Training, auch wenn du gerade das Gefühl hast, du müsstest deinen Hund jetzt fordern.
Auch positive Reize machen Stress
Wildgerüche, neue Umgebung, andere Hunde, Hündinnen in der Nähe oder einfach alles, was spannend ist. Für deinen Hund ist das aufregend, oft im positiven Sinn, kostet aber trotzdem Energie. Bevor du das erste Dummy schickst, ist der Akku schon halb leer, und das gilt umso mehr für junge oder hektische Hunde. Ein cooler, erfahrener Hund auf bekanntem Gelände hält da deutlich länger durch.
Der Eimer
Frustrationstoleranz und Impulskontrolle sind nicht unbegrenzt, und ich sage immer, dein Hund hat dafür einen Eimer. Jedes Mal, wenn er sich zusammenreißen muss, wird eine Kelle entnommen: Hase rennt vorbei, große Kelle, springender Tennisball, mittlere Kelle, liegender Dummy, kleine Kelle. Irgendwann ist der Eimer leer, und dann kann dein Hund nicht mehr, nicht weil er nicht will, sondern weil er einfach nicht mehr kann.
Deine Aufgabe ist es, diesen Eimer im Training größer zu machen, und zwar Schritt für Schritt mit Anti-Unruhe-Aufgaben und ruhigem Aufbau. Dadurch lernt dein Hund, dass Reize kein Drama sind, und genau das macht den Eimer mit der Zeit größer.
Auch ein großer Eimer kann auslaufen
Wenn dein Hund eine starke Frustrationstoleranz hat, ist die Versuchung groß, ihm immer mehr zuzumuten: Markierung, Wasser, Gruppentraining, Schüsse, und dann noch eine Prüfung obendrauf. Einmal gegen den Eimer getreten und der läuft aus, auch wenn du gut trainiert hast. Der Eimer ist dann nicht weg, sondern immer noch groß, aber leer, und du musst ihn wieder von vorne füllen.
Verlass dich also nicht darauf, dass eine gute Frustrationstoleranz gesetzt ist, denn das ist sie nicht.
Fehler kommen nicht aus dem Nichts
Der Moment, in dem alles kippt, entsteht nicht spontan, sondern baut sich auf. Du hattest mehrere gute Wiederholungen, alles lief, und dann kommt der Gedanke: Einmal geht noch. Das ist meistens das falsche Mal, und ich kann dir aus Erfahrung sagen, wenn du dieses Gefühl hast, ist es schon zu viel.
Hör auf, wenn es gut war, dann hattest du ein gutes Training. Wenn du das I-Tüpfelchen draufsetzt und es schiefgeht, machst du dir das ganze Training kaputt, und der Ärger über den letzten Versuch wiegt deutlich mehr als die Freude darüber, dass es vorher gelaufen ist.
Körperliche Belastung wird oft übersehen
Nicht jeder Stress ist sichtbar. Schmerzen, körperliche Einschränkungen oder ein Hund, der älter wird, machen Stress, auch wenn du es im Training nicht direkt erkennst. Gerade leistungsstarke Hunde tun sich damit schwer, weil der Kopf noch will, der Körper aber nicht mehr mitkommt. Das verwirrt sie, sie verstehen nicht, warum sie plötzlich eingeschränkt sind, und sie machen Fehler, die sie vorher nie gemacht haben.
Mentaler Druck
Hunde leben im Moment und machen sich keine Gedanken darüber, was andere denken, wenn die Prüfung nicht klappt. Sie merken aber sehr genau, wenn dir etwas wichtig ist, und sie spüren, ob du entspannt bist oder ob du jetzt unbedingt willst, dass es funktioniert. Dieser Unterschied erzeugt Druck, und Druck erzeugt Fehler, auch bei Aufgaben, die dein Hund eigentlich beherrscht.
Stresshormone brauchen Zeit
Stress verschwindet nicht sofort. WT am Wochenende, Seminar unter der Woche, Prüfung am nächsten Sonntag und dann noch eine Familienfeier obendrauf, das summiert sich. Wie schnell dein Hund das wieder abbaut, ist individuell, manche brauchen einen Tag und manche eine Woche, und das wirst du mit der Zeit selbst erkennen lernen.
Was hilft, sind Pausen, also Tage, an denen nichts passiert: kurzer Spaziergang, schlafen, sich auch mal langweilen.
Was du konkret anders machen kannst
Beobachte genauer und frag dich nicht nur, was im Training passiert ist, sondern auch, was vorher war. Wie war deine Stimmung, wie war die Umgebung, wie viele aufregende Tage hatte dein Hund hinter sich. Und wenn du dieses Gefühl hast von "Einmal geht noch", dann lass es.
Fazit
Stress gehört zum Training, und du musst ihn nicht vermeiden, sondern einordnen können. Wenn du erkennst, was deinen Hund belastet und wie voll sein Eimer gerade noch ist, triffst du bessere Entscheidungen im Training. Und manchmal ist die beste Entscheidung, aufzuhören, solange es gut läuft.




